Notfallchirurg
Notfallchirurg -
Krisen und Katastrophenlagen
Ihre Zusatz-Qualifikation für Katastrophenereignisse
In Katastrophensituationen sind hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte unverzichtbar – insbesondere solche, die für außergewöhnliche Situationen und komplexe Verletzungen speziell ausgebildet sind. Die alleinige Facharztqualifikation reicht häufig nicht aus, um den besonderen Herausforderungen gerecht zu werden.
Aus diesem Grund haben die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) auf Initiative der BG Kliniken und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr das Konzept "Notfallchirurg – Krisen- und Katastrophenlagen" entwickelt. Diese Fortbildung bietet eine spezialisierte Schulung für die Notfallversorgung bei Massenanfällen von Verletzten (MANV) und lebensbedrohlichen Einsatzlagen (TerrorMANV).
Module und Inhalte
Die Fortbildung “Notfallchirurg – Krisen- und Katastrophenlagen” umfasst die folgenden Module, die in der empfohlenen Reihenfolge aufgeführt sind. Bis auf die beiden aufeinander aufbauenden Kurse zur Gefäßtraumatologie sind Sie aber frei in der Auswahl der Reihenfolge.
ACT! - Acute Care in Trauma
Für die Chirurgie
Der ACT-Kurs ist das Ergebnis der Zusammenführung bewährter Kurse der notfallchirurgischen Versorgung. Er vermittelt die wesentlichen Inhalte der viszeralchirurgischen Notfallversorgung und des thorakoabdominellen Traumas. Teilnehmer erhalten theoretische Grundlagen und vertiefen ihr Wissen durch anatomisch-päparatorisches Training sowie assistiertes Operieren an Modellen.
Der Kurs integriert die besten internationalen Standards und Zertifikate, darunter ASSET und DSTC, und wird von erfahrenen militärischen und zivilen Chirurgen geleitet.
BTC48®
Burn - Trauma - Care during 1st 48 hrs
Dieser zweitägige Kurs konzentriert sich auf die Erstversorgung schwerbrandverletzter Patienten in den ersten 48 Stunden, die für den Heilungsverlauf entscheidend sind. Instruktoren aus der Verbrennungsmedizin und Unfallchirurgie vermitteln spezifische Kenntnisse zur Einschätzung und Behandlung von Brandverletzungen, einschließlich seltenen Verletzungsmustern wie Hochspannungsunfällen und Verätzungen.
Der Kurs richtet sich an Rettungsdienste und erstaufnehmende Kliniken und schließt eine wichtige Lücke in der standardisierten Versorgung dieser Patientengruppe.
Gefäßtraumatologie für Traumatologen: Basiskurs
Gefäßchirurgische Notfalltechniken für operative Fachdisziplinen
Dieser zweitägige Kurs richtet sich an Chirurgen, die nicht auf Gefäßchirurgie spezialisiert sind, und vermittelt grundlegende Techniken für die Notfallversorgung bei Gefäßverletzungen. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Übungen an realitätsnahen, pulsierenden Modellen des Bauches und Halses. Teilnehmer lernen grundlegende vaskuläre Operationstechniken wie Arteriotomie, verschiedene Nahttechniken und Anastomosen.
Die Kursinhalte werden durch theoretische Einheiten ergänzt und bieten eine fundierte Vorbereitung auf den klinischen Alltag. Der Kurs endet mit einer praxisorientierten „Competition“, bei der die Teilnehmer ihre erlernten Fähigkeiten unter Beweis stellen können.
Gefäßtraumatologie für Traumatologen: Masterkurs
Erweiterte gefäßchirurgische Notfalltechniken für operative Fachdisziplinen
Aufbauend auf dem Basiskurs ermöglicht der Masterkurs Chirurgen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten an lebensnahen anatomischen Modellen weiter zu vertiefen. Der Fokus liegt auf der Behandlung von Gefäßverletzungen im Bauch- und Halsbereich unter realistischen Bedingungen. Die Teilnehmer üben komplexe Techniken wie die Reparatur von Karotisverletzungen, den Einsatz von bifurkalen Transplantaten und die Durchführung der REBOA-Technik zur Kontrolle massiver Blutungen.
Der Kurs bietet eine intensive, praxisorientierte Weiterbildung, die durch erfahrene Instruktoren geleitet wird.
Providerkurs ATLS® - Advanced Trauma Life Support
Schockraummanagement für Ärzte aller Fachrichtungen
Der zweitägige ATLS®-Kurs vermittelt weltweit anerkannte Standards für das Schockraummanagement von Traumapatienten. Der Fokus liegt auf der schnellen Einschätzung und priorisierten Behandlung von Verletzten. Durch Vorträge und praxisnahe Übungen an Skill-Stationen in kleinen Gruppen erwerben die Teilnehmer das nötige Wissen und die Fähigkeiten, um im Schockraum optimal zu agieren.
Der Kurs richtet sich an alle Ärzte, die in die Schockraumversorgung eingebunden sind.
Prüfung der Voraussetzungen
Dokumentenupload
Für den Erhalt des Zertifikats sind neben der erfolgreichen Absolvierung der Module folgende praktische Kompetenzen nachzuweisen:
- 20 dokumentierte Leitungen einer Polytraumaversorgung (ISS ≥16)
- 10 dokumentierte Operationen an arteriellen Rekonstruktionen peripherer Gefäße
- 20 dokumentierte offene abdominale Operationen mit Schwerpunkt auf Blutstillung
- 10 dokumentierte offene Thoraxeingriffe
- Mindestens ein Jahr Tätigkeit in einem Überregionalen Traumazentrum (ÜTZ)
TDSC - Terror and Disaster Surgical Care
Kategorisieren - Priorisieren - Disponieren - Realisieren
Dieser Kurs bietet eine spezialisierte Ausbildung für die Behandlung von Verletzten bei Terrorlagen mit einem Massenanfall von Verletzten (TerrorMANV). Er umfasst die innerklinische Triage in dynamischen Situationen, chirurgische Prinzipien der Damage Control Surgery (DCS) und weiterführende Konzepte wie die Tactical Abbreviated Surgical Care (TASC).
Die Teilnehmer lernen, in extremen und ressourcenlimitierten Situationen fundierte Entscheidungen zu treffen und bewährte operative und strategische Abläufe anzuwenden.
Wundballistik
Grundsätze der Wundballistik und Versorgungsprinzipien von Schussverletzungen
Dieser Onlinekurs bietet eine spezialisierte Ausbildung in der Wundballistik, die sich mit den medizinischen und technischen Aspekten der Wechselwirkungen von Projektilen und menschlichem Gewebe befasst. Chirurgen lernen, wie sie Verletzungen durch Schuss- und Explosionsverletzungen optimal diagnostizieren und behandeln.
Ablauf der Fortbildung “Notfallchirurg – Krisen- und Katastrophenlagen”
Sie durchlaufen ein praxisorientiertes Curriculum, das speziell auf die komplexen Anforderungen der Notfallversorgung in den o.g. Situationen abgestimmt ist. Grundlage sind die Kenntnisse der Polytraumaversorgung (ATLS). Ein zentraler Bestandteil ist eine mindestens 12-monatige klinische Tätigkeit in einem Überregionalen Traumazentrum (ÜTZ). Hier erwerben Sie die entscheidenden Qualifikationen für die Behandlung von Thorax-, Abdomen- und Gefäßverletzungen. Alternativ können Sie ein Fellowship von mindestens drei Monaten in einem internationalen Trauma-Zentrum absolvieren, um die nötigen Kompetenzen zu erlangen. Programme hierfür werden sowohl von der Bundeswehr als auch von der European Society for Trauma and Emergency Surgery (ESTES) angeboten.
Wir empfehlen zusätzlich eine 12-monatige Rotation in der Allgemein- bzw. Viszeralchirurgie durchzuführen und eine entsprechende klinische Tätigkeit in einer Abteilung mit hoher Anzahl orthopädisch-unfallchirurgischer Notfalleingriffe und einer ÜTZ-Qualifizierung. Für eine breite Kompetenz und Fähigkeit werden die Beteiligung an verschiedensten Operationen der unterschiedlichen chirurgischen Fachgebiete gefordert.